Shopware 6 Rule Builder: Regeln für Shop und Geschäftsprozesse einfach steuern

Der Shopware 6 Rule Builder ist ein zentrales Werkzeug, mit dem sich Bedingungen und Geschäftsregeln direkt in Shopware definieren lassen. Diese Regeln können anschließend an vielen Stellen im Shop verwendet werden, beispielsweise für Versandarten, Zahlungsarten, Rabatte, Promotions oder automatisierte Prozesse.

Der große Vorteil liegt darin, dass viele Geschäftslogiken ohne individuelle Programmierung abgebildet werden können. Shopware stellt dafür eine grafische Oberfläche bereit, in der Bedingungen, Operatoren und Werte miteinander kombiniert werden. Der Rule Builder befindet sich unter Einstellungen → Automatisierung → Rule Builder.

Was ist der Shopware 6 Rule Builder?

Der Rule Builder ist ein No-Code beziehungsweise Low-Code Werkzeug zur Definition von Regeln. Eine Regel beschreibt vereinfacht:

Wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind, darf oder soll etwas passieren.

Ein Beispiel:

Ein Händler möchte die Versandart „Spedition“ nur dann anzeigen, wenn sich ein besonders großes Produkt im Warenkorb befindet.

Die Regel könnte prüfen:

Produkt besitzt das Tag „Spedition“

Trifft die Bedingung zu, kann die Versandart aktiviert werden.

Der Rule-Builder entscheidet dabei nicht selbst, welche konkrete Aktion ausgeführt wird. Er stellt zunächst eine wiederverwendbare Bedingungslogik bereit, die anschließend in anderen Shopware Bereichen eingesetzt wird.

Wie funktioniert der Rule Builder?

Eine Regel besteht im Wesentlichen aus allgemeinen Informationen und Bedingungen.

Allgemeine Informationen

Beim Erstellen einer Regel werden verschiedene grundlegende Angaben hinterlegt.

Dazu gehören:

  • Name
  • Beschreibung
  • Priorität
  • Typ
  • Tags

Die Priorität ist besonders wichtig, wenn mehrere Regeln gleichzeitig gelten können. Shopware verarbeitet Regeln mit einer höheren Priorität früher als Regeln mit einem niedrigeren Wert.

Konfiguration von Rule-Builder

Bedingungen

Das Herzstück des Rule Builders sind die Bedingungen.

Eine Bedingung besteht typischerweise aus drei Elementen:

Bedingung → Operator → Wert

Ein einfaches Beispiel lautet:

Gesamtsumme → größer als → 100 Euro

Die Regel trifft dann zu, wenn der Warenkorbwert über 100 Euro liegt.

Shopware stellt zahlreiche unterschiedliche Bedingungen zur Verfügung, beispielsweise zu:

  • Warenkorbwert
  • Kundengruppe
  • Kundenadresse
  • Land
  • Zahlungsart
  • Versandart
  • Produkt
  • Produkt Tags
  • Verkaufskanal
  • Wochentag
  • Datum
  • Bestellinformationen

Welche Bedingungen verfügbar sind, hängt teilweise vom Einsatzbereich und von installierten Erweiterungen ab.

UND und ODER Verknüpfungen

Mehrere Bedingungen können miteinander kombiniert werden, somit stehen dem Shopbetreiber viele mögliche Kombinationen und Regelwerke zur Verfügung.

UND Verknüpfung

Bei einer UND Verknüpfung müssen alle Bedingungen erfüllt sein.

Beispiel:

Kundengruppe ist Händler

UND

Warenkorbwert ist größer als 500 Euro

Die Regel gilt nur, wenn beide Bedingungen zutreffen.

ODER Verknüpfung

Bei einer ODER Verknüpfung reicht es aus, wenn eine der Bedingungen erfüllt ist.

Beispiel:

Versandland ist Deutschland

ODER

Versandland ist Österreich

Die Regel gilt, sobald eine der beiden Bedingungen zutrifft.

Shopware unterstützt zusätzlich verschachtelte Unterbedingungen. Dadurch lassen sich auch komplexere Geschäftslogiken aufbauen.

Wo kann der Rule Builder eingesetzt werden?

Regeln können an zahlreichen Stellen innerhalb von Shopware verwendet werden.

Besonders häufig werden sie eingesetzt für:

Bereich Beispiel
Versandarten Spedition nur bei bestimmten Produkten
Zahlungsarten Rechnung nur für bestimmte Kundengruppen
Versandkosten Kostenloser Versand ab einem Mindestbestellwert
Promotions Rabatt nur für definierte Kunden
Rabatte Unterschiedliche Nachlässe je Kundengruppe
Flow Builder Bedingungen innerhalb automatisierter Prozesse
Verfügbarkeiten Bestimmte Optionen nur in einzelnen Verkaufskanälen

Shopware listet insbesondere Versandarten, Zahlungsmethoden, Versandkosten, Promotions und Rabatte als typische Zuweisungsbereiche.

Zuweisung von Regeln zu einzelnen Geschäftsbereichen

Beispiel: Kostenloser Versand ab 100 Euro

Ein typischer Anwendungsfall ist zum Beispiel der kostenlose Versand ab einem bestimmten Warenkorbwert. Nachgehend zeigen wir dir, wie du diesen in deinem Shop abbilden könntest.

Schritt 1: Neue Regel erstellen

Im Shopware Admin:

Einstellungen → Automatisierung → Rule Builder → Regel erstellen

Schritt 2: Regel benennen

Beispiel:

Kostenloser Versand ab 100 Euro

Schritt 3: Bedingung definieren

Bedingung:

Gesamtsumme

Operator:

größer oder gleich

Wert:

100 Euro

Schritt 4: Regel speichern

Nach dem Speichern kann die Regel in der Versandkonfiguration verwendet werden.

Schritt 5: Versandart zuweisen

Die Regel wird anschließend beispielsweise einer kostenlosen Versandart zugeordnet. Damit wird die Versandart nur angezeigt, wenn der Warenkorbwert die definierte Grenze erreicht.

Rule-Builder und Flow-Builder

Rule-Builder und Flow-Builder arbeiten besonders gut zusammen, erfüllen aber unterschiedliche Aufgaben.

Der Rule-Builder beantwortet die Frage:

Wann trifft eine bestimmte Bedingung zu?

Der Flow-Builder beantwortet die Frage:

Was soll anschließend passieren?

Ein Beispiel:

Rule Builder: Kunde gehört zur VIP Kundengruppe und Bestellwert ist größer als 1.000 Euro

Flow Builder: Wenn diese Regel zutrifft, sende eine interne E Mail und markiere den Kunden als VIP.

Der Rule Builder stellt damit die Entscheidungslogik bereit, während der Flow Builder darauf aufbauend Prozesse automatisieren kann.

Regeln testen

Shopware bietet einen Vorschaumodus, mit dem Regeln anhand realer Bestelldaten geprüft werden können.

Dabei wird angezeigt, ob einzelne Bedingungen WAHR oder FALSCH sind. Auch bestimmte Zeitpunkte können simuliert werden.

Der Vorschaumodus steht laut aktueller Shopware Dokumentation aber erst ab dem Plan Rise zur Verfügung. Für alle anderen bedeute es noch händisch testen oder mit uns Kontakt aufzunehmen.

Gerade bei komplexeren Regeln ist diese Funktion hilfreich, um Fehler vor der produktiven Verwendung zu erkennen.

Regeln importieren und exportieren

Aktuelle Shopware Versionen ermöglichen es außerdem, Regeln zu teilen.

Regeln können als JSON Datei exportiert und in einem anderen Shopware System wieder importiert werden.

Das ist beispielsweise sinnvoll für:

  • Übertragung vom Testsystem ins Livesystem
  • mehrere Shops
  • Agenturen
  • wiederkehrende Standardkonfigurationen

Shopware unterstützt diese Funktion laut Dokumentation ab Version 6.7.1.0 in Verbindung mit dem Rise Plan.

Vorteile des Shopware 6 Rule Builders

Der Rule Builder ermöglicht es Händlern, Geschäftslogiken zentral zu verwalten.

Zu den wichtigsten Vorteilen gehören:

  • wenig oder keine Programmierung notwendig
  • Regeln können mehrfach verwendet werden
  • flexible UND und ODER Bedingungen
  • zentrale Verwaltung
  • Integration in viele Shopware Funktionen
  • gute Kombination mit dem Flow Builder
  • Anpassung an B2B und B2C Anforderungen
  • schnellere Änderungen von Geschäftsregeln

Gerade bei individuellen Preis, Versand und Zahlungslogiken kann der Rule Builder viele ansonsten notwendige Sonderentwicklungen vermeiden.

Nachteile und Grenzen

Der Rule Builder ersetzt allerdings nicht jede individuelle Programmierung.

Bei sehr komplexen Anforderungen können Regeln schnell unübersichtlich werden. Außerdem stehen nicht für jede denkbare Information standardmäßig passende Bedingungen zur Verfügung.

Weitere Herausforderungen sind:

  • viele Regeln können schwer wartbar werden
  • falsche Prioritäten können unerwartete Ergebnisse erzeugen
  • verschachtelte Bedingungen sind teilweise schwer nachvollziehbar
  • Erweiterungen können zusätzliche Bedingungen notwendig machen
  • komplexe Geschäftslogik benötigt weiterhin Tests

Eine saubere Struktur und Dokumentation ist deshalb besonders wichtig.

Best Practices für den Rule Builder

Regeln sollten möglichst klar benannt werden.

Beispiel:

VERSAND | Spedition bei Großgeräten

ist deutlich verständlicher als:

Regel 17

Auch eine aussagekräftige Beschreibung hilft anderen Administratoren später bei der Wartung.

Bei umfangreichen Shops empfiehlt es sich außerdem, Regeln nach Themenbereichen zu organisieren und Tags zu verwenden.

Komplexe Regeln sollten möglichst im Testsystem geprüft werden, bevor sie im Liveshop eingesetzt werden.

Fazit

Der Shopware 6 Rule Builder ist ein leistungsfähiges Werkzeug zur Steuerung individueller Geschäftsregeln.

Mit Bedingungen, Operatoren und Werten lassen sich beispielsweise Versandarten, Zahlungsmethoden, Rabatte und Promotions gezielt steuern.

Das grundlegende Prinzip ist einfach:

Bedingung prüfen → Regel trifft zu oder nicht

In Verbindung mit dem Flow-Builder entsteht daraus eine besonders leistungsfähige Automatisierungslogik.

Während der Rule-Builder entscheidet, wann etwas gelten soll, legt der Flow Builder fest, was anschließend passiert.

Für Händler bietet der Rule Builder dadurch eine flexible Möglichkeit, ihren Shop an individuelle Geschäftsprozesse anzupassen, ohne für jede Regel eine eigene Programmierung entwickeln zu müssen.