Shopware 6 Verkaufskanäle: Unterschiede, Einrichtung und Verwaltung

Verkaufskanäle in Shopware 6 ermöglichen es, unterschiedliche Absatzwege innerhalb einer einzigen Shopware Installation zu verwalten. Ein Verkaufskanal definiert vereinfacht, wo und wie Produkte angeboten werden.

Das kann ein klassischer Onlineshop sein, eine Headless Anwendung, ein Produktfeed für Google Shopping oder ein anderer externer Vertriebskanal. Shopware beschreibt Verkaufskanäle als zentrale Schnittstelle zwischen Administration, Storefront und weiteren Absatzwegen.

Der große Vorteil liegt darin, dass mehrere Shops, Marken, Länder oder technische Ausgabekanäle zentral verwaltet werden können, ohne für jeden Fall eine vollständig separate Shopware Installation betreiben zu müssen.

Was ist ein Verkaufskanal in Shopware 6?

Ein Verkaufskanal ist eine eigene Vertriebsinstanz innerhalb von Shopware.

Je nach Kanal können beispielsweise folgende Einstellungen individuell festgelegt werden:

  • Domain
  • Sprache
  • Währung
  • Kundengruppe
  • Zahlungsarten
  • Versandarten
  • Navigation
  • Produkte
  • Kategorien
  • Länder
  • Steuern
  • Storefront Theme

Dadurch können mehrere unterschiedliche Shops mit derselben Produkt und Datenbasis betrieben werden.

Ein Händler könnte beispielsweise folgende Verkaufskanäle verwenden:

Deutschland Shop

mit deutscher Sprache und Euro.

Österreich Shop

mit eigener Domain und abweichenden Versandregeln.

B2B Shop

mit eigener Kundengruppe und speziellen Preisen.

Google Shopping Feed

zur Übermittlung von Produktdaten an Google.

Welche Verkaufskanal Typen gibt es?

Shopware stellt unterschiedliche Verkaufskanal Typen zur Verfügung.

Im weiteren werden wir auf die einzelnen Kanaltypen genauer eingehen:

Abbildung der Verkaufsknalaarten

Storefront Verkaufskanal

Der klassische Storefront Verkaufskanal ist der normale Onlineshop mit sichtbarer Shopoberfläche.

Er enthält:

  • Kategorien
  • Navigation
  • Produktseiten
  • Warenkorb
  • Checkout
  • Kundenkonto

Dieser Verkaufskanal eignet sich für klassische B2C und B2B Shops.

Headless Verkaufskanal

Ein Headless Verkaufskanal stellt keine klassische Shopware Storefront bereit. Stattdessen erfolgt der Zugriff über die Shopware APIs. Dank des Shopware API First Ansatz, kann alles was im Shop existiert auch mit der API angesprochen werden.

Das Frontend kann beispielsweise mit:

  • Vue
  • React
  • Next.js
  • eigener App
  • Mobile Anwendung

entwickelt werden. Shopware übernimmt dabei weiterhin Produktverwaltung, Warenkorb, Kunden, Bestellungen und Geschäftslogik. Das Frontend wird aber technisch getrennt betrieben.

Produktvergleich

Der Verkaufskanal Typ Produktvergleich dient dazu, Produktdaten an externe Systeme zu exportieren.

Typische Ziele sind:

  • Google Shopping
  • Facebook / Instagram Shopping
  • Preisvergleichsportale
  • Marktplätze

Dabei wird ein Feed erzeugt, der die gewünschten Produktinformationen enthält.

Agentic Commerce

Neuere Shopware Versionen bieten zusätzlich einen Agentic Commerce Verkaufskanal.

Damit können Produktdaten für KI Plattformen bereitgestellt werden. Shopware nennt unter anderem JSONL Feeds für OpenAI und XML Feeds für Google Shopping.

Damit entwickelt sich das Verkaufskanal Konzept zunehmend über klassische Websites hinaus.

Unterschiede der Verkaufskanäle

Verkaufskanal Zweck Eigene Storefront
Storefront Klassischer Onlineshop Ja
Headless Eigenes Frontend oder App Nein
Produktvergleich Produktfeed und externe Plattformen Nein
Agentic Commerce KI und Commerce Plattformen Nein

Der wichtigste Unterschied liegt darin, ob Shopware selbst die sichtbare Benutzeroberfläche bereitstellt oder lediglich Daten und Commerce Funktionen für andere Systeme liefert.

Wie legt man einen Verkaufskanal an?

Die Einrichtung erfolgt direkt in der Shopware Administration.

Schritt 1: Verkaufskanal hinzufügen

Im linken Administrationsmenü befindet sich der Bereich Verkaufskanäle.

Über das Plus Symbol kann ein neuer Verkaufskanal erstellt werden.

Schritt 2: Verkaufskanal Typ auswählen

Anschließend wird ausgewählt, welcher Kanal erstellt werden soll.

Zum Beispiel:

  • Storefront
  • Headless
  • Produktvergleich
  • Agentic Commerce

Schritt 3: Namen vergeben

Der Verkaufskanal sollte eindeutig benannt werden.

Beispiele:

Storefront Deutschland

B2B Shop

Google Shopping

Mobile App API

Bei mehreren Kanälen sind klare Namen besonders wichtig.

Grundeinstellungen eines Storefront Verkaufskanals

Nach der Erstellung müssen verschiedene Grundeinstellungen vorgenommen werden.

Grundeinstellungen von Shopware Verkaufskanal.

Navigation

Es wird festgelegt, welche Kategorie als Einstiegspunkt der Hauptnavigation verwendet wird.

Zusätzlich können eigene Einstiegspunkte für:

  • Footer Navigation
  • Service Navigation

definiert werden.

Domain

Jeder Storefront Verkaufskanal benötigt mindestens eine Domain.

Beispiele:

https://www.meinshop.de

oder:

https://www.meinshop.at

Mehrere Domains können ebenfalls verwendet werden, beispielsweise für unterschiedliche Sprachen.

Sprache

Dem Verkaufskanal werden die verfügbaren Sprachen zugeordnet.

Zum Beispiel:

  • Deutsch
  • Englisch
  • Französisch

Eine Domain kann anschließend mit einer bestimmten Sprache verbunden werden.

Währung

Es kann festgelegt werden, welche Währungen verfügbar sind.

Beispielsweise:

  • EUR
  • CHF
  • GBP

Außerdem wird eine Standardwährung bestimmt.

Zahlungsarten

Für jeden Verkaufskanal kann festgelegt werden, welche Zahlungsarten angeboten werden.

Zum Beispiel:

  • PayPal
  • Kreditkarte
  • Rechnung
  • Vorkasse

Versandarten

Auch Versandarten können pro Verkaufskanal definiert werden.

Dadurch kann beispielsweise der deutsche Shop andere Versandoptionen verwenden als ein Schweizer Shop.

Produkte einem Verkaufskanal zuweisen

Produkte müssen für den jeweiligen Verkaufskanal freigegeben werden. Wenn Produkte nur angelegt sind, aber nicht einem Verkaufskanal zugeordnet wurden, kann dieser die Produkte nicht über seinen Shop abbilden und verkaufen.

Zuordnung von Produkten zu einem Verkaufskanal

Ein Produkt kann:

  • in allen Kanälen sichtbar sein
  • nur in bestimmten Kanälen erscheinen
  • in einzelnen Kanälen ausgeblendet werden

Shopware erlaubt außerdem, Standard Verkaufskanäle festzulegen, denen neu angelegte Produkte automatisch zugewiesen werden.

Dabei stehen verschiedene Sichtbarkeiten zur Verfügung.

Sichtbar

Das Produkt wird normal angezeigt.

In Produktlisten ausblenden

Das Produkt erscheint nicht in Kategorien oder Suchergebnissen, kann aber weiterhin direkt aufgerufen werden.

Diese Einstellung kann beispielsweise für spezielle Kampagnenprodukte sinnvoll sein.

Produkte gesammelt zuweisen

Produkte können nicht nur einzeln, sondern auch gesammelt zugewiesen werden.

Mögliche Wege sind:

  • einzelne Produkte auswählen
  • komplette Kategorien hinzufügen
  • dynamische Produktgruppen verwenden

Dadurch lassen sich auch große Sortimente effizient auf verschiedene Verkaufskanäle verteilen.

Verkaufskanäle verwalten

Bereits angelegte Verkaufskanäle werden im linken Administrationsmenü angezeigt.

Über die Verwaltung können vorhandene Kanäle geöffnet, bearbeitet und organisiert werden.

Wichtige Aufgaben sind:

  • Produkte zuweisen
  • Domains ändern
  • Sprachen verwalten
  • Währungen konfigurieren
  • Zahlungsarten anpassen
  • Versandarten ändern
  • Verkaufskanal aktivieren oder deaktivieren
  • Navigation anpassen

Globale und Verkaufskanal spezifische Einstellungen

Ein wichtiger Punkt in Shopware ist die Unterscheidung zwischen globalen und kanalbezogenen Einstellungen. Viele Einstellungen können zunächst global definiert werden.

Anschließend können sie für einzelne Verkaufskanäle überschrieben werden.

Beispielsweise lassen sich Warenkorbeinstellungen entweder für alle Kanäle oder nur für einen bestimmten Kanal konfigurieren. Kanalbezogene Werte überschreiben dabei die globalen Einstellungen.

Das ermöglicht eine zentrale Grundkonfiguration mit individuellen Ausnahmen.

Kunden und Verkaufskanäle

Shopware kann Kunden auf einzelne Verkaufskanäle begrenzen.

Dafür gibt es die Einstellung:

Kunden an Verkaufskanal binden

Ist diese aktiviert, kann sich ein Kunde grundsätzlich nur in dem Verkaufskanal anmelden, in dem er registriert wurde.

Das kann beispielsweise bei getrennten B2B und B2C Shops sinnvoll sein oder wenn man über ein Shopsystem mehrere Gesellschaften abbilden möchte.

Allerdings sollte diese Funktion frühzeitig geplant werden, da das spätere Verhalten bereits registrierter Kunden berücksichtigt werden muss.

Typische Einsatzszenarien

Mehrere Länder

Ein Unternehmen betreibt:

  • Deutschland
  • Österreich
  • Schweiz

über unterschiedliche Domains und Verkaufskanäle.

B2B und B2C

Ein B2C Shop und ein Händlerportal verwenden dieselben Produkte, aber unterschiedliche:

  • Preise
  • Zahlungsarten
  • Versandarten
  • Inhalte

Mehrere Marken

Ein Unternehmen besitzt mehrere Marken.

Jede Marke erhält eine eigene Storefront, nutzt aber dasselbe Shopware Backend.

Externe Plattformen

Produktdaten werden zusätzlich an Google Shopping oder andere Plattformen übertragen.

Vorteile von Verkaufskanälen

Der größte Vorteil liegt in der zentralen Verwaltung.

Weitere Vorteile sind:

  • mehrere Shops in einer Installation
  • unterschiedliche Domains
  • verschiedene Länder und Sprachen
  • individuelle Zahlungsarten
  • individuelle Versandregeln
  • getrennte Sortimente
  • zentrale Produktpflege
  • Headless Nutzung
  • Anbindung externer Plattformen

Dadurch eignet sich Shopware besonders gut für komplexere E-Commerce Strukturen.

Nachteile und Herausforderungen

Mit steigender Anzahl der Verkaufskanäle wächst auch die Komplexität.

Typische Herausforderungen sind:

  • Produkte falsch zugeordnet
  • unterschiedliche Domains und Sprachen
  • abweichende Versandregeln
  • unterschiedliche Zahlungsarten
  • komplexere SEO Struktur
  • aufwendigere Tests

Deshalb sollte vor der Einrichtung klar definiert werden, welche Unterschiede zwischen den einzelnen Kanälen tatsächlich benötigt werden.

Best Practices

Verkaufskanäle sollten eindeutig benannt werden.

Statt:

Shop 1

ist beispielsweise:

B2C Deutschland Storefront

deutlich verständlicher.

Außerdem empfiehlt es sich, regelmäßig zu prüfen:

  • welche Produkte sichtbar sind
  • welche Domains hinterlegt sind
  • welche Zahlungsarten aktiv sind
  • welche Versandarten gelten
  • welche Navigation verwendet wird

Besonders bei mehreren Ländern oder Marken ist eine saubere Dokumentation wichtig.

Fazit

Shopware 6 Verkaufskanäle ermöglichen es, unterschiedliche Shops und Vertriebswege innerhalb einer zentralen Installation zu verwalten.

Ein Verkaufskanal kann ein klassischer Onlineshop, eine Headless API, ein Produktfeed oder ein KI Commerce Kanal sein.

Das grundlegende Prinzip lautet: Ein Backend, mehrere Absatzwege.

Dadurch können Händler unterschiedliche Länder, Marken, Zielgruppen und Plattformen mit einer gemeinsamen Datenbasis bedienen.

Entscheidend ist eine saubere Planung der Produktzuweisungen, Domains, Sprachen und Zahlungs beziehungsweise Versandregeln. Je komplexer die Shopstruktur wird, desto wichtiger wird eine klare Trennung und Dokumentation der einzelnen Verkaufskanäle.